
Foto: Heinrich Körner
Diese Gaststätte wurde vor hundert Jahren als „zweitältestes Kaffeehaus Deutschlands“ beworben. Diese Aussage liegt durchaus im Bereich des Möglichen.
1764 kam der Lebküchler Jacob Riedel von Thorn nach Schleiz und ließ sich hier nieder. Er wurde in die hiesige Bäckerinnung aufgenommen, durfte aber nur Lebkuchen backen. Sein Sohn Johann Jakob Riedel (er nannte sich später Ried’l) kaufte 1777 ein Haus am Stadtteich (heute Neumarkt) und betrieb dort auch eine erste Gaststätte. Diese blieb bis 1964 in Familienbesitz. Der Name „Café Ried’l“ entstand im späten 19. Jahrhundert.

Foto: Heinrich Körner

Foto: J. K. Klimpke
Waren ursprünglich die Lebkuchen die prägende Spezialität dieses Hauses, wurde es später die Schleizer Baisertorte, die um 1965 im Café Ried’l erfunden wurde.
Das heutige Gebäude wurde nach dem Stadtbrand 1856 errichtet. In den 1930er-Jahren wurde das Café im ersten Stock um einen Tanzsaal erweitert. „Der Ried’l“, wie die Schleizer ihn nennen, blieb bis 1964 im Besitz der Ried’ls. Dann übernahm es die HO und nannte es „Café am Neumarkt“. Nach dem Untergang der DDR ging es wieder in Privathand über und erhielt seinen alten Namen zurück.
Seit 2025 gibt es neue Betreiber, die mit südländischer Küche um Kundschaft werben. Auch wenn die Gaststätte heute eigentlich „Il Gusto“ heißt, ist es bei den Schleizern nach wie vor der bzw. das „Ried’l“.