Mit der Wiedereinweihung der Büste Fürst Heinrichs XIV. endet ein dreijähriges Bürgerprojekt, das Geschichte, Handwerkskunst und bürgerschaftliches Engagement auf eindrucksvolle Weise verbindet.

Es ist ein warmer Sommernachmittag im Schlosspark Schleiz. Zwischen den alten Bäumen haben sich zahlreiche Gäste versammelt. Vertreter aus Politik, Denkmalpflege, Vereinen und viele Bürgerinnen und Bürger blicken gespannt auf das restaurierte Denkmal. Noch verhüllt steht sie da – die Büste Fürst Heinrichs XIV. Reuß jüngerer Linie. Wenige Augenblicke später fällt das Tuch. Applaus erfüllt den Schlosspark. Nach 76 Jahren besitzt das Denkmal wieder sein ursprüngliches Gesicht.

Was viele Besucher in diesem Moment sehen, ist weit mehr als die Rekonstruktion eines historischen Kunstwerks. Es ist der sichtbare Abschluss eines Projektes, das vor allem von Idealismus, Beharrlichkeit und dem Engagement zahlreicher Menschen getragen wurde.

Eine Idee wird Wirklichkeit

Den Anstoß gab Joachim Gensior, Sprecher der Arbeitsgruppe Freundeskreis Residenzschloss Schleiz im Geschichts- und Heimatverein Schleiz.

Bereits 2023 entstand die Idee, das seit Jahrzehnten unvollständige Denkmal nicht nur zu sanieren, sondern die seit 1950 verschwundene Büste originalgetreu wiederherzustellen. Was zunächst wie eine ambitionierte Vision erschien, entwickelte sich in den folgenden drei Jahren zu einem Gemeinschaftswerk vieler Beteiligter.

In seiner Festrede brachte Joachim Gensior die Motivation der Arbeitsgruppe auf den Punkt:

„Denkmale der Heimatregion sind Teil der eigenen Geschichte und wir wollen ein Bewusstsein gemeinsamer Verantwortung für das gebaute Erbe entwickeln. Denn Denkmale sind für uns und für kommende Generationen ein Stück Heimatgeschichte und Lernorte zugleich.“

Diese Worte zogen sich wie ein roter Faden durch die gesamte Veranstaltung.

Der „gute Fürst“

Dass ausgerechnet Heinrich XIV. im Mittelpunkt dieses Projektes steht, überrascht kaum.

Der Fürst regierte das Fürstentum Reuß jüngerer Linie von 1867 bis 1913 und galt als außergewöhnlich volksnah. Unter seiner Regentschaft entstanden fortschrittliche Reformen in Verwaltung und Wahlrecht. Er förderte Wirtschaft, Kultur und Bildung und berief den Sprachwissenschaftler Konrad Duden an das Rutheneum in Schleiz. Dort entstand später der erste Duden – der berühmte Urduden.

Auch kirchliche Bauwerke lagen ihm am Herzen. Gemeinsam mit seiner Gemahlin Agnes finanzierte er unter anderem die Restaurierung der Schleizer Bergkirche und stiftete deren Altarfenster. Nach seinem Tod vermachte er der Stadt Schleiz 30.000 Mark für wohltätige Zwecke.

Joachim Gensior erinnerte in seiner Rede an die zeitgenössische Beschreibung des Fürsten:

„Er war vor allem ein herzensguter Mensch und konnte, wo er wirklich ein Bedürfnis erkannte, so leicht keine Bitte abschlagen.“

Im Volksmund trug Heinrich XIV. deshalb einen Namen, der bis heute nachwirkt:

„Unser guter Fürst.“

Das Denkmal von 1914

Nach dem Tod Heinrichs XIV. im März 1913 wollten die Schleizer ihrem Fürsten ein bleibendes Denkmal setzen.

Ein eigens gegründeter Denkmalausschuss beauftragte den aus Gera stammenden Professor Günther mit der Planung einer monumentalen Gedenkanlage. Die Stadt Schleiz stellte dafür 7.500 Mark bereit.

Entstanden ist ein rund vier Meter hohes und sechs Meter breites halbrundes Denkmal mit einer bronzenen Büste im Mittelpunkt. Eingeweiht wurde es am 28. Mai 1914, dem Geburtstag des Fürsten.

Unter der Büste stand die Inschrift:

„Dem geliebten Fürsten. Seine dankbaren Schleizer und treuen Verehrer.“

Nur wenige Jahrzehnte später verschwand die Bronzeplastik. 1950 wurde sie entfernt; ihr Verbleib ist bis heute ungeklärt. Sie reiht sich damit in eine ganze Reihe verlorener Kunstwerke rund um das Schleizer Schloss ein – darunter die steinernen Löwen oder der Kranich der Schlossparkgrotte.

Drei Jahre Arbeit

Mit Zustimmung der Stadt Schleiz und der Unteren Denkmalschutzbehörde begann 2023 die Restaurierung.

Die Arbeiten erwiesen sich als deutlich anspruchsvoller als zunächst erwartet. Die historische Inschrift musste anhand alter Vorlagen originalgetreu rekonstruiert werden. Fehlstellen im Naturstein wurden ergänzt, das Denkmal gereinigt, verfugt und dauerhaft gesichert.

Parallel dazu begann die Rekonstruktion der Büste.

Mit dieser anspruchsvollen Aufgabe wurde der Berliner Bildhauer Berthold Grether beauftragt. Auf Grundlage historischer Fotografien modellierte er die Büste neu. Durch den Einsatz von echtem Bronzepulver besitzt sie heute nahezu die Anmutung einer gegossenen Bronze. Zusätzlich entstand ein Archivguss, um das Werk dauerhaft zu sichern.

Ein Projekt vieler Helfer

Während seiner Rede machte Joachim Gensior deutlich, dass dieses Projekt niemals das Werk Einzelner gewesen sei.

Sein Dank galt der Stadt Schleiz, der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landratsamtes Saale-Orla – insbesondere Frau Berner –, den ausführenden Firmen Steinmetzbetrieb Redlich und Um- & Ausbau Bächer sowie den Unterstützerinnen Bettina Bächer und Yvonne Beck.

Besonders hob er das Engagement des Ehrenmitgliedes des Geschichts- und Heimatvereins Tino Schumann hervor, der das Vorhaben wiederholt mit einer außergewöhnlich großzügigen Spende unterstützte.

Auf einer eigens errichteten Spendentafel sind alle Unterstützer verewigt:

Die Stadt Schleiz, das Landratsamt Saale-Orla-Kreis, Tino Schumann, die Danny Schindler Immo GmbH, Um- & Ausbau Bächer, Physiotherapie Kerstin Tragsdorf, die TEAG Thüringer Energie AG, das Ingenieurbüro Thomas Neumann, die Volksbank eG Gera Jena Rudolstadt, Wieduwilt Bau GmbH, Tischlerei Andi Perzold, Elektro Eisfeld, Pic Werbung Schleiz, Autohaus Sparing, Freund & Partner GmbH, Ilse Wieduwilt, Dr. Dieter Rebelein, der Steinmetzbetrieb Redlich, Maler- & Parkett-Wachter GmbH & Co. KG, das Orthopädie- und Schuhmacherhandwerk Schleiz sowie Birgit Seyfert aus Dittersdorf.

Die Finanzierung erfolgte zu rund einem Drittel durch die Stadt Schleiz und zu zwei Dritteln aus Fördermitteln und privaten Spenden.

Ein Schleizer Sommermärchen

Zum Ende seiner Rede fand Joachim Gensior Worte, die den Charakter des gesamten Projektes treffend beschreiben:

„Ein Schleizer Sommermärchen – eine Idee wurde geboren, und gemeinsam wurde sie wahr.“

Tatsächlich ist die Wiedereinweihung weit mehr als die Rückkehr einer Büste.

Sie zeigt, was möglich wird, wenn Ehrenamt, Handwerk, Denkmalpflege, Verwaltung und Bürgerschaft gemeinsam Verantwortung für ihre Geschichte übernehmen.

Mit der Restaurierung des Denkmals ist nicht nur ein bedeutendes Zeugnis der Schleizer Vergangenheit bewahrt worden. Es ist zugleich ein sichtbares Zeichen dafür entstanden, dass Heimatgeschichte lebt – wenn Menschen bereit sind, sie gemeinsam zu erhalten.