
Foto: Heinrich Körner
1837 ging auch das Rathaus im Feuer des großen Stadtbrandes mit unter. 40 Jahre stand die Ruine an der Ecke Bahnhofstraße/Pfortengasse und gab ein trauriges Bild ab. Mehrere Versuche zum Wiederaufbau scheiterten aus den unterschiedlichsten Gründen. Schließlich fanden sich 1878 12 Bürger zusammen und initiierten eine Bewegung zum Wiederaufbau des Rathauses. Es wurden Baumaterialien und Geld gespendet. Kurze Zeit darauf sagte auch Fürst Heinrich XIV. Reuß j. L. eine Spende von Bauholz im Wert von 6.000 Mark zu. Eine unter der Bürgerschaft veranstaltete Haussammlung ergab weitere 11.000 Mark. Der Grundstock war gelegt.
Nach den Plänen des Dresdner Architekten Richard Uebe begann 1879 der Wiederaufbau auf dem alten Kellergeschoss, das vermutlich im 16. Jahrhundert errichtet worden war.
Speziell für den Wiederaufbau des Rathauses errichtet man am heutigen Langenwiesenweg eine Meilerziegelei. Diese lieferte für den Bau 65.000 Ziegel. Da aber für das gesamte Projekt fünfmal soviel gebraucht wurden, bezog man weitere Ziegel aus Mönchgrün, Wüstendittersdorf, Mühltroff, Görkwitz, Oettersdorf, Triemsdorf und Zwickau.

Foto: Juergen K. Klimpke
Die Pläne Uebes erwiesen sich jedoch als fehlerhaft, so dass man ihm die Bauleitung entzog und umgeplant werden musste. Am 28. November 1880 konnte das neue Rathaus feierlich eingeweiht werden.
Die Baukosten betrugen rund 57.000 Mark (ca. 550.000 Euro) und wurden zu einem Drittel aus Spenden finanziert.
Die Galerie auf dem Turm war damals öffentlich zugänglich und konnte gegen ein kleines Entgelt für Blicke über Schleiz und seine Umgebung betreten werden.
1913 musste aus statischen Gründen der hohe spitze Turm umgebaut werden. Weitere leichte Veränderungen gab es nochmals in den 1920er-Jahren. Seitdem ist auch das Stadtwappen über dem Portal zu sehen.
1982 erhielt das Rathaus erstmals ein Glockenspiel, welches 1997 durch ein neues ersetzt wurde. Seitdem spielt es jeden Tag drei schöne Melodien.

Foto: Juergen K. Klimpke
Zur Erinnerung an die Einweihung im Jahr 1880 erklingen immer am 28. November zwei Choräle vom Turm herab, welche damals vom Schülerchor gesungen wurden.
Durch den Einsatz engagierter Bürger, eine beispiellose Opferbereitschaft der Einwohner und eine dem gemeinsamen Ziel verpflichtete Zusammenarbeit von Stadtverwaltung und Bürgerschaft war in zwei Jahren das geschafft worden, was 40 Jahre zuvor unmöglich schien. So gesehen sollte uns das Schleizer Rathaus stets daran erinnern, was mit vereinten Kräften möglich ist.