
Foto: Heinz Tiersch
Das Haus Bahnhofstraße 15 hat eine sehr bewegte Geschichte, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Hier befand sich einst ein sogenanntes Burggut, auf dem ein Burgmann saß. Das war in der Regel ein Freihaus, also ein Besitz, der von Abgaben und Steuern befreit war. Als Burgmann musste der Besitzer aber dem Landesherrn bei Bedarf umgehend zur Verfügung stehen. Als Besitzer ist unter anderem im 15. Jahrhundert die adeligen Familie von Machwitz nachweisbar. Im 16. Jahrhundert wird das Areal als Rittergut bezeichnet.
Hier betrieb die Familie Timmich seit 1754 über mehrere Generationen eine Manufaktur für buntgefärbte Webwaren, aus der sich ein überaus florierendes Handelsgeschäft entwickelte. Es wurde Handel bis nach Russland und in die Türkei getrieben. Ein zeitgenössischer Bericht erzählt uns: „Wenn die Timmichswagen von den Messen kamen, nahm die ganze Stadt Anteil, weil sie auf Bestellung alles mitbrachten, was einer Dame und Hausfrau Herz erfreuen mochte – vom feinsten Kaffee bis auf Toilette und Romane.“

Foto: Juergen K. Klimpke
Das heutige Haus entstand nach 1837 durch die Vereinigung mehrerer Grundstücke.
1902 schenkte Arno Timmich das Haus der Stadt und wurde dafür zum Ehrenbürger ernannt. Hier hatte die Städtische Sparkasse ihren Sitz und der langjährige Bürgermeister, Landrat und Ehrenbürger Dr. Julius Alberti wohnte hier bis zu seinem Tod im Jahr 1902.
Das Gebäude wurde 1972 grundlegend modernisiert, wobei es leider seine historische Fassade und den Schriftzug „Timmichhaus“ verlor. Das Haus sollte modern wirken.
42 Jahre später kehrten im Zuge der bisher letzten Sanierung der Schriftzug und einige Gestaltungselemente der historischen Fassade zurück.
Im hinteren Teil des Grundstücks befindet sich einer der beiden letzten Stadtmauertürme. Er wurde 1988 saniert und baulich gesichert. Dabei erhielt er auch seine heutige Haube aufgesetzt. Der Turm kann vom Mühlgraben aus betrachtet werden.

Die Haube wurde 1988/89 neu aufgesetzt.
Foto: Juergen K. Klimpke